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märchen unterschichtenfernsehen

Freitag, 7. September 2007

Das Märchen vom Unterschichtenfernsehen

Eine Langzeitstudie der Universität Köln widerlegt Einfluss der Bildung auf die Sender-Präferenzen.


Der Historiker Paul Nolte prägte den ebenso griffigen wie groben Begriff vom „Unterschichtfernsehen“, durch Harald Schmidt wurde dieser populär und breitete sich virenartig aus. In den Feuilletons der Republik, auf öffentlich-rechtlichen Fluren und in den Seminaren der Fernsehkritiker fiel er auf fruchtbaren Boden.

Wie falsch die Kritiker kommerzieller Sender mit einem solchen Pauschalurteil liegen, kann jeder Nutzer der AGF/GfK-Daten leicht selbst nachvollziehen. Die gelegentlichen Ausarbeitungen der privaten TV-Vermarkter werden geflissentlich ignoriert oder pauschal als interessengeleitet zurückgewiesen. Nun zeigt eine aktuelle und breite Studie der Universität Köln die Unhaltbarkeit der These, wonach Privatfernsehen eine Veranstaltung für die Ungebildeten und öffentlich-rechtliches Programm Fernsehen für Bildungsbürger sei.

Der Kölner Medienwissenschaftler Dr. Jörg Hagenah und der Soziologe Prof. Dr. Heiner Meulemann haben die AGF/GfK-Nutzungszahlen der Sender ARD, ZDF, RTL, Sat.1 und ProSieben über den Zeitraum von 1988 bis 2004 daraufhin untersucht, welche Sender von welchen Zuschauern bevorzugt werden. Das Ergebnis: Menschen mit geringerer Bildung neigen zwar dazu, länger fernzusehen. Aber Bildung oder Einkommen haben keinen Einfluss auf die Sender-Vorlieben des Publikums. „Überspitzt ließe sich formulieren: Alle sehen alles, damit alle mit allen über alles reden können“, erklärt Hagenah.

Einen Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau und der Nutzung öffentlich-rechtlicher oder privater Sender verneinen die Wissenschaftler somit. Die vollständige Studie ist in der Fachzeitschrift Publizistik erschienen (52. Jahrgang, Heft 2, Juni 2007, S. 154-173).

 

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